Sabine Kündiger: Ein Intendant für alle Fälle

Intendanten sind eigentlich nicht besonders beliebt. Sie stehen in der Theaterhierarchie ganz oben und sind die Herren über Finanzen, Einstellungen und Spielpläne, sie müssen sich mit den Konflikten befassen, in die RegisseurInnen und ihre Teams miteinander geraten, wenn sie über künstlerisch-ästhetische Positionen streiten, müssen sich um geplatzte Wasserrohre oder verschimmelte Kellerverliese im Hause kümmern,und vor allem müssen sie repräsentieren.

Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium hatte vor Jahren eine Intendantenstelle zu vergeben. Der Kunst- und Kultursaal war verfallen und musste dringend saniert werden. Niemand wollte den Job desjenigen haben, der es auf sich nimmt, eine langjährige Baustelle zu betreuen:

Handwerker akquirieren, Geld anfordern, Architektur- und Denkmalschutz-Pläne durchforsten, mehr Geld anfordern, sich mit Ämtern herumstreiten, schon wieder Geld anfordern, das Drängen der künstlerischen Gruppen aushalten, die dringend in die Aula möchten…

Es gab schließlich nur eine Person, die in der Lage war, sich diesen Aufgaben zu stellen und dieselben auch zu bewältigen: Ralf Treptow.

Über eine gewisse Zeit hatte er die künstlerischen Aktivitäten, welche in der alten Aula stattgefunden hatten, bereits mit Wohlwollen, ja sogar mit Begeisterung begleitet.

Was ihn aber besonders für das Amt des Intendanten auszeichnete, war seine eigene künstlerische Tätigkeit.

Er konnte z.B. Mitwirkungen als Statist in Theateraufführungen nachweisen, er war im jährlichen Dezember-Konzert stark als Weihnachtsmann nachgefragt, ja, man kann sagen, dass das seine Lebensrolle war. Des Weiteren zeichnete sich bereits ab, dass aus ihm einmal ein beachtenswerter Chanson-Sänger werden würde. Gleichzeitig konnte er durch das Amt als Schulleiter sein beachtliches Talent in Planungsstrategien einbringen.

Ralf Treptow begann seine Intendantentätigkeit mit großer Leidenschaft und sehr bald wurde ihm aus den Reihen seines Kollegiums schon zugetragen, dass viele der Mitarbeitenden besorgt darüber seien, dass er das Schulleiteramt zugunsten seiner Intendantentätigkeit vernachlässige.

Es gab – und das kann ich als Zeitzeugin bestätigen – wohl in seiner gesamten Laufbahn am RLG nicht ein einziges künstlerisches Ereignis, welches er versäumt hat. Er hatte immer ein offenes Ohr und Herz für die Kunst – er förderte sie mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, und er schaffte den Spagat zwischen der Leidenschaft für die Kunst und der Neutralität, die vonnöten war, wenn sich die Künstler der verschiedenen Sparten mal wieder in die Haare gerieten.

Ja, das RLG ist ein „Vielspartenhaus“ und der Intendant Ralf Treptow hat diesem Job alle erdenkliche Ehre gemacht. Wenn er jetzt geht, wird diese Stelle wohl frei bleiben.

Sabine Kündiger