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Irgendwie

Hannes Trültzsch: Eine Frage der Berufung

Wenn am Rosa-Luxemburg-Gymnasium die Lichter angehen und der Schulhof sich leise verwandelt, wenn Stimmen klingen, als hätten sie etwas vor, das über den Stundenplan hinausgeht, dann ist das nicht nur Weihnachtszeit.

Dann ist das vor allem sein Moment.

Denn mittendrin steht einer, der offiziell anderes zu tun hätte. Ralf Treptow – Schulleiter, Organisator, ruhender Pol des Alltags. Ein Mann der Struktur, der Klarheit, der verlässlichen Worte.

Und doch ist das nur die halbe Wahrheit.

Denn wer ihn hier erlebt, zwischen Lichtern, Stimmen und diesem schwer erklärbaren Gefühl von „Jetzt ist es wieder so weit“, der merkt schnell: Das Amt ist präzise gewählt, aber die Berufung liegt woanders. Es ist diese Art, wie er da steht. Nicht im Mittelpunkt und doch unverkennbar zentral. Nicht laut und doch bestimmend. Nicht inszeniert und doch wie aus einer anderen Rolle herübergetreten. Man könnte sagen, er spielt den Weihnachtsmann nicht. Er erinnert sich nur daran, dass er einer ist. 

Und manchmal, bei den Weihnachtskonzerten, wird aus dieser Ahnung Gewissheit. Wenn der Mantel dazukommt, der Bart, das leise Raunen im Raum, dann verschiebt sich nichts Wesentliches. 

Es wird nur sichtbar, was ohnehin längst da ist. 

Die Schülerinnen und Schüler spüren das sofort. 

Dieses eigenartige Gleichgewicht aus Ordnung und Wärme, aus Klarheit und einem Humor, der nie laut sein muss, um zu wirken. Es ist kein Zufall, dass gerade jemand, der den Alltag so verlässlich hält, im Fest so glaubwürdig wird. Denn vielleicht gehört beides zusammen: die Fähigkeit, Dinge zu strukturieren, und die seltenere, Menschen einen Moment lang vergessen zu lassen, dass sie gerade in einer Schule stehen. 

So wird die Weihnachtszeit am RLG nicht einfach organisiert, begangen und beendet. Sie wird getragen. Von vielen, gewiss. Aber zusammengehalten von jemandem, der das alles nicht nur ermöglicht, sondern auf eine stille Weise verkörpert. 

Und wenn am Ende die Lichter verlöschen und das RLG wieder das wird, was es immer ist, bleibt doch etwas zurück: die leise, fast beiläufige Erkenntnis, dass am RLG Beruf und Berufung in einer Person zusammenfallen.